Deutscher Buchhandlungspreis 2016

Heinrich Heine Buchhandlung eG

Hans J. Markowitsch

Warum wir vergessen

Psychologische, natur- und kulturwissenschaftliche Erkenntnisse

Springer, 2017, 768 S., Kt., € 34.99

Ist Vergessen ein psychisch gesunder oder ein krankhafter Prozess? Fest steht, es gibt kein normales Leben ohne Vergessen und kein normales Leben ohne Erinnerung. Diese Dichotomie steht im Zentrum des Buches und wird aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet - unter anderem aus individualpsychologischer, neurowissenschaftlicher, sozialer und kultureller Sicht. Dieses Fachbuch beleuchtet und analysiert den Nutzen und die Risiken eines Alltagsphänomens. Leicht verständlich eröffnet sich dem Leser ein integrativer Zugang zu einer zentralen kognitiven Erscheinung menschlichen (und tierischen) Lebens. Das Buch zu lesen erfordert über weite Teile keine speziellen Vorkenntnisse, ist aber dennoch hochgradig wissenschaftlich fundiert. Kulturspezifische Aspekte des Vergessens im europäischen wie außereuropäischen Raum werden ebenso erfasst wie zelluläre, systemische, genetische und epigenetische Grundlagen, die die Hirnforschung gerade in neuerer Zeit zunehmend intensiv diskutiert. Damit bietet es einen einmaligen Inhalt für den interessierten Laien wie für den Experten.

Teil 1.- Die Vielfalt der Möglichkeiten des Vergessens.- Zum Begriff der Zeit: Explizit oder implizit, objektiv oder subjektiv?.
Teil 2.- Vergessen im klinisch-neurowissenschaftlichen Bereich.
Teil 3.- Erinnerung trotz kollektiven Vergessens: Vom »eigentlich« unmöglichen Fortleben gemeinschaftlicher Erinnerungen an die kosmogene Welt der "Dreamtime" bei Nachfahren von Ureinwohnern im heutigen Australien.- Vergessen in konfliktreichen Schnittbereichen kollektiven Erinnerns am Beispiel mittelalterlichen Weistums.
Teil 4.- Vergessen: Der Wandel im neurowissenschaftlichen Verständnis eines vielschichtigen Phänomens.- Umgang mit Fragen des Vergessens in physiologischen nichtneuronalen Systemen.- Epigenetische Korrelate des Vergessens.- Vergessen im Immunsystem: Eine Frage der Passung interagierender Systeme.- Schlussbetrachtung: Plädoyer für ein neues Verständnis des Vergessens.- Erklärung ausgewählter Fachbegriffe.

Monika Pritzel ist Professorin für Psychologie an der Universität Koblenz/Landau, wo sie Allgemeine und Physiologische Psychologie lehrt und als einen Forschungsschwerpunkt die Lateralisierung des Gehirns untersucht.

Hans J. Markowitsch ist Professor für Physiologische Psychologie an der Universität Bielefeld. Er ist Autor oder Herausgeber von einem Dutzend Büchern und mehr als 400 Buch- und Zeitschriftenartikeln zu den Themen Gedächtnis und Gedächtnisstörungen sowie Wechselwirkungen zwischen Gedächtnis und Emotion.

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