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26. Oktober 2009

   

Zu zweit nach Amsterdam!

von Carmen Lindenberg


Freitagmorgen: Die Kinder sind bei Oma und Opa abgeliefert und wir gehen nach sechs Jahren zum 1. Mal allein auf Reisen. Zwar nur für ein Wochenende, aber nur ZU ZWEIT und es ist Amsterdam! Mit der "Gebrauchsanleitung für Amsterdam" vom Piper Verlag, dem Michael Müller Amsterdam Cityführer und meinem ersten Baedeker Reiseführer im Rucksack.

Das Quartier habe ich mit Hilfe von Michael Müller vorab gebucht, wohl recht einfach, dafür aber liegt es im netten Stadtteil Jordaan. Aus dem Baedeker lese ich während der Autofahrt das Kapitel über das holländische Essen vor. Mal schauen, ob wir irgendwo einen "stampot" kriegen. Unbedingt probieren soll man die "Patat" = Pommes frites, da sie mit diversen Saucen angeboten werden: Curry, mexikanisch scharf oder auch Senfdip (tun wir später auch in der Patatzaak auf dem Westernkerkplatz, vor Ort aus frischen Kartoffeln gestiftelt, "Satesauce" entpuppt sich als Erdnusssauce- gewöhnungsbedürftig!).

Mittlerweile sind wir angekommen, das Hotel ist tatsächlich sehr einfach eingerichtet (spartanisch trifft es auch), dafür ist die Bloemsgracht einfach umwerfend schnuckelig!

Freitagabend lassen wir uns durch die Grachten treiben: eine 3/4 Stunden ununterbrochen gut gefüllte Kneipen, Bars, Clubs, Restaurants, auch auf der Strasse ist mächtig was los. Schliesslich landen wir im "Tuschinskys Kino": außen wie innen imposanter Jugendstil, ein sehr netter Tip des Baedekers.

Danach haben wir vor dem "Cafe American", in den 30'er Jahren ein Treffpunkt von Literaten und Exilanten, einen Besuch abzustatten. Doch so feudal haben wir es uns nach beiden Reiseführebeschreibungen nicht vorgestellt und fühlen wir uns mit Turnschuhen und Rucksack latent underdressed. Schliesslich landen wir in einer unspektakulären sympathischen Eckkneipe ins "unserem" Viertel. Man muss staunen, welche Mengen Leber- und Hackwurst, Käse und Fleischbällchen man in Holland ohne Brot oder ähnliches zu sich nimmt. Naja, Senf hilft auch ein wenig!

Samstag machen wir "Architektur-Tourismus" und schauen uns die neuen Stadtteil-Inseln Java KNSM an. Die bei Michael Müller genannte Fähre finden wir leider nicht, der Baedeker äussert sich überhaupt nicht zu diesen neuen Stadtteilen, was schade ist. Wir marschieren los, freuen uns über den Blick durch die riesige Glasfront der neuen Musikhalle, luschern in Jamie Olivers Restaurant "fifteen" rein und gelangen schliesslich über eine ziemlich futuristische Brücke nach Java Eiland. Die fünfstöckigen Wohnblöcke haben unterschiedliche Fassaden, teils gelungen, teils nicht ganz so. Durch verschieden gestaltete Füßgängerbrücken, Kanäle voll mit Booten, Grachtenhäuschen, die schmal und unterschiedlich sind wie die alten und nett bewachsenen Innenhöfen ist es nicht so steril wie befürchtet. Immer noch nicht der Charme und das Leben eines alten gewachsenen Viertels, aber die Hamburger Hafencity kann sich doch einiges hier abgucken.

Danach besuchen wir den Albert Cuyp Markt, der auf uns aber nicht sehr international und vielseitig wirkt, wie beide Reiseführer schreiben, sondern eher ramschig. Keine Mitbringselfunde!

In einem kleinen Laden im Jordaan kaufen wir ein kleines Goudarad, im Tulpenmuseum wilde "Honky Tonk" Tulpen (für die Babysitter-Oma), Hagelslag und Ganzjahresspekulatius im normalen Supermarkt. Damit fühlen wir uns wohler.

Am Abend wollen wir "Eine der absoluten In-Locations der Stadt" im 11. Stock des ehemaligen Hauptpostgebäude besuchen und die Stadt von oben begucken, leider hat diesen Michael Müller Tipp die Abrissbirne zerschlagen, das kann natürlich immer passieren. Dafür ist es die benachbarte "Openbaren Bibliothek Amsterdam" aussen- und innenarchitektonisch wie auch kulturpolitisch sehr spannend: sechs Stockwerke mit Büchern, DVD's und CD's, neuste Bibliothekstechnik, schicke weisse Einrichtung inklusive IMacs, witzige launchige Rechercheterminals, eine tolle Kinderetage im Untergeschoss, im Eingangsbereich spielt jemand ein bischen Klavier und in der obersten Etage ein gutes (!) Selbstbedienungsrestaurant. Es ist Samtagabend, hier ist richtig was los und die Stimmung ist total nett! Da haben sich die 88 Millionen sehr gelohnt, scheint uns.

Stampot konnten wir leider nicht testen, aber ansonsten haben die Zeit sehr genossen und dank der guten Reiseführer einiges mitbekommen. Die "Gebrauchsanleitung" kam bisher etwas kurz, auf die freue ich mich umso mehr zum Nachlesen.

 

 

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Kommentare:


  Der Wolf schrieb am Donnerstag, den 29. Oktober 2009:

 

Was für ein schönes Foto!


  Hase schrieb am Freitag, den 30. Oktober 2009:

 

Ich will auch noch Amsterdam !!!! Und das Foto ist nicht soooo schön. Eigentlich bist du viel hübscher !! Ohne Doppelkinn.......


  Antje schrieb am Sonnabend, den 7. November 2009:

 

Ein schöner Bericht. Da will man gleich losfahren und einen Grachtenbummel machen. In dem Hotel in der schönen Bloemsgracht war ich übrigens auch. Sehr sympathische Unterkunft!

Am besten ist es, Amsterdam mit dem Rad zu erobern. Das macht richtig Laune und wer bisher geglaubt hat in Hamburg gäbe es viele FahrradfahrerInnen, der kann hier nur staunen...

Ein bisschen Radfahrerfahrung sollte man allerdings mibringen, denn der Fahrstil ist hier eher sportlich rasant.


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